Ein Fachtag zur Arbeit mit Konflikten, Emotionen und Wahrnehmung in der politischen Erwachsenenbildung und Prozessbegleitung von NGOs und Vereinen

Freitag, 07. Oktober 2022, 10 – 17 Uhr in Leipzig (genauer Ort wird noch bekannt gegeben)

Politische Bildung – das war lange Zeit in erster Linie Kopfsache. Der verbreitete Zugang zu gesellschaftlichen Verhältnissen geht über Analyse und Kritik, die Debatte von Theorien und Strategien. In den letzten Jahren deutet sich hier langsam der Beginn einer Veränderung an: Das Thema Emotionen hält Einzug in die politische Bildung. Es ist wohl eine universelle Erfahrung, mit rationalen Argumenten in einem Konflikt nicht weiterzukommen. Und das mit gutem Grund: Jeder Mensch ist schließlich mehr als nur sein Kopf. Wir haben Bedürfnisse und Gefühle, wir haben einen biografischen Hintergrund und eine soziale Identität, wir sind mit Rollenerwartungen und kulturellen Tabus aufgewachsen – die Liste ließe sich noch lange fortführen. 

Wer mit Gruppen pädagogisch arbeitet oder Vereine und Teams in ihren Gruppenprozessen begleitet, wird all diesen Themen und Ebenen begegnen. In dem Moment, wo wir in einer Bildungs- oder Beratungssituation die Vielzahl an Themen und Ebenen wahrnehmen, die uns neben unserem Verstand ausmachen, taucht der Mensch in seiner ganzen Komplexität in diesem Setting auf. Damit einher gehen vielfältige Beziehungsfragen: Welche Beziehung habe ich eigentlich zu dem Thema, zu dem wir arbeiten? Was macht dieses Thema mit uns als Gruppe? Wie gestalten wir unsere Beziehungen in unserer Gruppe untereinander? Wie geht es mir eigentlich mit dir, mit den anderen hier, mit unserer Arbeit und mit dem Zustand der Welt?

Unser Fachtag will die Herausforderungen und Potentiale erkunden, die sich ergeben, wenn wir uns entscheiden, unsere Wahrnehmung für die Vielfalt an Konflikt- und Beziehungsebenen zu öffnen und diese in der politischen Bildungsarbeit und Prozessbegleitung zu thematisieren. Dabei geht es nicht darum, Gesellschaftskritik und Analysen von Eigentums- und Machtverhältnissen durch einen gruppen- und psychodynamischen Blick zu ersetzen, sondern zu entdecken, wie sich die verschiedenen Zugänge bereichern können – und wahrzunehmen, wo sie sich vielleicht widersprechen oder in unterschiedliche Richtungen weisen.

Welche neuen Zugänge zu gesellschaftlichen Themen ergeben sich für die politische Bildung, wenn sie Körper, Emotionen, Wahrnehmung und biografisches Arbeiten einbezieht? Welche Perspektiven entwickeln sich in der Prozessbegleitung, wenn in einem teaminternen Konflikt sowohl die persönlichen Hintergründe jedes Einzelnen als auch die einfließenden gesellschaftlichen Konfliktlinien wahrgenommen werden können? Welche Optionen der gesellschaftlichen Verantwortungsübernahme tauchen auf, wenn individuumszentrierte Ansätze Fragen von Privilegien und Güterverteilung, von Macht und Ohnmacht im Angesicht gesellschaftlicher Verhältnisse in den Blick nehmen?

Beim Fachtag werden Expert*innen aus der Bildungs- und Beratungspraxis Einblicke in ihre Arbeitsweisen geben. Wir möchten ein breites Spektrum an Zugängen wie Körper- und Theaterpädagogik, Gestaltarbeit und (machtkritisch-)systemische Ansätze auf dem Fachtag abbilden. Neben Impulsworkshops wird der Fachtag vor allem ein Austauschraum für Menschen und Organisationen, die selber in Erwachsenenbildung und Prozessbegleitung tätig sind oder in ihren NGOs, Vereinen und Teams mit den Spannungsfeldern zwischen gesellschaftlichen und persönlichen Konfliktlinien konfrontiert sind.

Zielgruppe: politische Bildner*innen, Mitarbeiter*innen und Engagierte in zivilgesellschaftlichen Organisationen, Expert*innen aus der Theorie und Praxis

Teilnahmebeitrag: 30 Euro/15 Euro (ermäßigt) nach Selbsteinschätzung

Zur Anmeldung gehts hier.

Die Veranstaltung findet nach Möglichkeit in Präsenz statt unter Einhaltung der dann geltenden Corona-Regelungen.