Visionen und Grenzen solidarischen Handelns

Ein Arbeitsschwerpunkt der AG Konfliktbearbeitung sind die Spannungsfelder im Bereich des solidarischen Zusammenlebens. Hierzu gab es am 23. und 25.03.21 einen zweiteiligen Online-Workshop mit dem Titel „Grenzenlos solidarisch? Wege zu kraftvollen Formen solidarischen Handelns“ von Lukas Perka und Julia Legge. Die beiden Referent*innen werden eine Weiterentwicklung dieses Workshops am 9. und 10.09.21 im Rahmen der Bildungswoche „Demokratie und Solidarität“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen anbieten. Sie sind offen für weitere Workshopanfragen rund um das Thema Solidarität.

Foto: Neil Thomas

Im Folgenden als thematische Orientierung die Workshopausschreibung vom März 2021:

In diesem Workshop beschäftigen wir uns mit dem Spannungsfeld zwischen Solidarität und Selbstaufgabe. Wir setzen uns mit unseren eigenen Erfahrungen von Macht und Ohnmacht in diesem Feld auseinander und erkunden gemeinsam Wege zu einer Solidarität, in der wir mit unseren Grenzen und unserer Freude am Miteinander vorkommen.

Die Idee und Vision hinter dem Begriff Solidarität ist eine kraftvolle: ein Prinzip der gegenseitigen Unterstützung, emotionaler wie tatkräftiger Beistand füreinander, ein Blick über den Tellerrand des eigenen Alltags und der eigenen Bedürfnisse auf die Situation anderer; ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe, das uns in den großen politischen Kämpfen wie in den kleinen alltäglichen Herausforderungen das Gefühl gibt, nicht allein zu sein. Solidarität kann Verbindung schaffen, Kraft spenden, Mut machen, praktische Unterstützung darstellen und uns so ermöglichen, Dinge zu erreichen, zu denen wir alleine nicht in der Lage wären.

Die alltägliche Realität vieler Menschen, die Solidarität in politischen Bewegungen oder im Privaten leben wollen, sieht oft ganz anders aus. Häufig konfrontieren wir uns selbst mit hohen Ansprüchen, was wir geben müssen und verlieren dabei unsere eigenen Grenzen und unsere Freude am Tun aus dem Blick. Dann kann ein solidarischer Anspruch in grenzenlose Erschöpfung, in Resignation und Verbitterung, in ein Gefühl permanenten Scheiterns an den eigenen Idealen oder in eine schwer einzugestehende Ohnmacht münden. 

Unsere Hypothesen, die wir im Rahmen unseres Workshops gemeinsam verfolgen wollen, lauten vor diesem Hintergrund: Um Solidarität kraftvoll und nachhaltig zu leben, brauchen wir unsere eigenen Grenzen. Und wir brauchen die Verhandlung zwischen Gebenden und Nehmenden, bei der wir immer wieder prüfen können, wozu wir Ja und Nein sagen.

Im ersten Teil unseres zweiteiligen Online-Workshops geht es um unsere eigenen Erfahrungen im Spannungsfeld zwischen Solidarität und Selbstaufgabe: Welche Ohnmachts- und welche Empowerment-Erfahrungen haben wir hier gemacht? Im zweiten Teil erkunden wir dann gemeinsam Wege zu Formen der Solidarität, bei denen wir unsere Bedürfnisse, Ideen und Grenzen in Dialog bringen.

Zielgruppe

Dieser Workshop richtet sich an alle, die Lust haben gemeinsam den Wert Solidarität zu erkunden, diesen im Alltag manchmal mit eigener Ohnmacht verbinden und auf der Suche nach Handlungsmöglichkeiten sind.

Zu den Trainer*innen:

Julia Legge ist Trainerin für Konfliktbearbeitung und Prozessbegleiterin. In ihrer Arbeit orientiert sie sich an ihrer Vision eines authentischen und wertvollen Zusammenlebens. Neben dem Thema Solidarität arbeitet sie zu Gender, Sexualität und Gruppendynamik.

Lukas Perka ist Trainer für Konfliktbearbeitung und interessiert sich in seinen Workshops für die Schnittstelle von strukturellen und persönlichen Konflikten. Er arbeitet aktuell zu den Themen Umgang mit Unterschieden und Diskriminierung sowie zum Wert Solidarität.